PORTRAIT

Aus der Gruppe «Andere Wohnformen» mit Sitz in Bern waren 2000 drei Ehepaare und vier Einzelpersonen (alle zwischen 55 und 65 Jahren) so weit, dass sie mit dem Kauf des Stürlerhauses den Sprung aus der Theorie in die Praxis wagten. Zum Betrieb dieses Hauses wurde als Gesellschaftsform nicht die Einfache Gesellschaft oder das Condominium mit Eigentumswohnungen gewählt, sondern im Mai 2000 eine Genossenschaft gegründet, weil diese den Vorstellungen von Gemeinsamkeit am meisten entspricht und weil sie spätere Spekulation ausschliesst.
Möglichst einfache Statuten sollten durch ein Betriebsreglement ergänzt werden (s. Statuten).
Wöchentliche Sitzungen der GenossenschafterInnen brachten fortlaufende Klärung aller anstehenden Fragen. Da der Übergang von Nutzen und Schaden erst im Sommer 2001 erfolgte, stand genügend Zeit für die Planung des Umbaus zur Verfügung.
Ein Architekturbüro erarbeitete in enger Zusammenarbeit mit der Städtischen Denkmalpflege und der Genossenschaft das Projekt. Ausschüsse von jeweils zwei bis drei Mitgliedern bearbeiteten anstehende Sachfragen: Die Baugruppe traf sich regelmässig mit den Architekten; die Finanzgruppe erstellte den Finanzierungsplan und berechnete die voraussichtlichen Mietzinse; die Gruppe Haustechnik bearbeitete mit den Architekten installationstechnische Aspekte; die Denkmalgruppe blieb im Kontakt mit der Städtischen Denkmalpflege und diskutierte Entscheide über mögliche Restaurierungen im historischen Gebäude; die Gruppe Raumprogramm beschäftigte sich mit der Aufteilung und Zuordnung des verfügbaren Raumes für individuelle und gemeinsame Nutzung.
Diese intensive Phase wurde aufgelockert durch eine erwartungsvolle Grundstimmung, die jede Sitzung zu einem bereichernden Anlass machte. Der Umbau dauerte von Juli 2001 bis Juli 2002. Anfang August 2002 bezogen die Genossenschafterinnen und Genossenschafter ihre Ein- oder Zweizimmerwohnungen mit eigener Küche und Dusche/WC und nahmen die grosszügigen Gemeinschaftsräume in Besitz.
Und heute?
Noch immer treffen wir uns alle vierzehn Tage zu einer Sitzung, meist mit einer reich befrachteten Traktandenliste. Leichter zu ertragen ist dies dank der schönen Tradition, dass vor diesem Anlass im Turnus gekocht und gemeinsam gegessen wird. 
Am Sonntag Morgen gibt es einen  Brunch – dort wird geplaudert, geklatscht, geschnödet, diskutiert, gestritten und viel gelacht.
An schönen Sommerabenden finden wir uns oft spontan zum gemeinsamen Essen im Garten zusammen und durchs ganze Jahr ergibt sich – vor allem im Surfraum oder in der Küche – oft Gelegenheit zu einem Schwatz.
Wir feiern die Feste, wie sie fallen: Runde Geburtstage, Sommerfest, Silberne Hochzeit; zweimal  haben wir auch unsere 17 «Kinder» mit ihren PartnerInnen bekocht und bei dieser Gelegenheit gespürt, dass sie ein klein wenig stolz auf ihre Eltern sind.
Wie unsere Katzen sind auch wir immer wieder auf der Suche nach einem Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz. Wir streiten und versöhnen uns,  gehen uns manchmal auf die Nerven, fiebern gemeinsam während  Bunderatswahlen und Fussballmeisterschaften, sind manchmal ganz dabei, manchmal eher am Rand – aber immer überzeugt, dass sich das Älter werden gemeinsam leichter bewältigen lässt.